Was hat QAnon eigentlich mit dem deutschen Gelbwesten-Protest zu tun?

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QAnon ist nach eigenen Angaben eine militärische Operation, die offensichtlich dazu angelegt wurde, die Anhängerschaft des amerikanischen Präsidenten aufzubauen,  zu informieren und vor allen Dingen zusammenzuhalten. Das ist bisher sehr gut gelungen, denn diese Bewegung gibt es inzwischen nicht nur in den USA sondern hat auch in Europa und anderen Kontinenten weltweit Menschen zusammengebracht, die die Politik des neuen Präsidenten der USA, Donald Trump, unterstützen. Es handelt sich hier um eine Gruppe von offenbar psychologisch geschulten Militärs. Trump sagte auf Befragen, ob er wisse, wer sie sind:

„Nein. Aber ich glaube, es sind gute Menschen.“

Etliche Blogs, Seiten und auch Gruppen in den sozialen Medien entstanden, damit man untereinander die neuesten Informationen austauschen kann. Da die QAnon-Nachrichten, die über diverse Seiten verbreitet werden, oft sehr kryptisch sind, müssen die sogenannten „Drops“ dann noch erklärt werden, was insbesondere durch Blogs und YouTube-Videos geschieht.

Ein Blog, mit einem Q im Namen, das erst seit August tätig ist und derzeit bereits eine Reichweite von mehreren Hunderttausend monatlichen Hits hat, also ungewöhnlich schnell gewachsen ist, überraschte am 17. November mit einem Video, in welchem zum Widerstand aufgerufen wurde. Man möge ab dem 1. Dezember entweder Urlaub nehmen oder die Arbeit schwänzen und notfalls auch krankfeiern. Mehr war da noch nicht.

Die Parolen, da man darin liest, gefallen den Deutschen, denn sie werden dort fast engelsgleich dargestellt, als Gutmenschen, die die wenigsten Kriege geführt haben, als intellektuell und charakterlich herausragend. Wir würden alle Völker lieben, aber „sie“ wollen uns dennoch ausrotten, weil sie Angst vor unserer Intelligenz, unserem Fortschritt und unserem Herzen haben.
Es wird zum Kampf aufgefordert, aber auch auf den Widerstand anderer hingewiesen, besonders, wenn es ein gerechter Kampf sei. Im Hintergrund sieht man das Wort GENERALSTREIK, unterlegt mit dem Text, dass das deutsche Arbeitervolk nun seine Arbeit niederlegt, so lange, bis seine Unterdrücker aufgeben und loslassen. Weiter heißt es:

Wir werden den totalen Widerstand leisten, bis wir unseren Willen durchgesetzt haben. Informiert eure Mitmenschen, Freunde, Verwandte und Bekannte. Ab dem 1. Dezember widmen wir uns intensiv einer besseren Zukunft. Eine Zeit der totalen Ablehnung des Regimes bis zur erbitterten Kapitulation.

Diese Gruppe scheint tatsächlich Großes zu erwarten, denn nun kommt die Aufforderung, das letzte Geld von der Bank abzuheben, Nahrungsmittel für mindestens einen Monat zu horten und sich für mindestens zwei Wochen Urlaub zu nehmen oder krank zu feiern.

Es wird so lange dauern, wie es muss. Wir werden das System auf ganzer Linie lahmlegen.

Dies alles geschehe für eine Zukunft ohne Unterdrückung, ohne Lügen, Betrug und ohne Ausbeutung. Die Deutschen wären Helden, tapfer und klug und würden notfalls auch ihr Leben opfern. Man dürfe niemals aufgeben und gerade dann, wenn Leute sagen, dass es unmöglich sei, solle man um so entschlossener sein, das Gegenteil zu beweisen.

Behandle das Wort “unmöglich” nur als Motivation! Nutze die Gelegenheit, ein Außenseiter zu sein und mache das Unmögliche möglich!

Es wird ein Traumland versprochen, in der jeder einzelne der Held ist. Die Leute werden darauf vorbereitet, diejenigen, die ihnen sagen, dass das alles kein gutes Ende nehmen kann, als Zyniker oder Zweifler zu sehen.

Und dann kommt zum Erstaunen vieler plötzlich Gott ins Spiel, fast eine Minute lang, der offenbar seine segnende Hand über dem hält, was nun plötzlich als Revolution bezeichnet wird, die am 01.12.2018 beginnen soll.

Hier erfahren wir noch nicht viel, wie diese „Revolution“ auszusehen hat. Es geht lediglich darum, die Arbeit niederzulegen. Man sieht im Hintergrund aber bereits Menschen auf der Straße, die gegen den Migrationspakt demonstrieren.

Inzwischen wissen wir, dass deutschlandweit der Verkehr blockiert werden soll. Ob geschätzte 20.000 Mitmacher das erreichen werden, ist eher fraglich.

Fraglich ist auch die ganze Aktion, die nirgendwo angemeldet zu sein scheint. Allerdings gibt es bereits stolze kleine Videos von Gelbwesten, die friedlich über die Zebrastreifen laufen, dann aber doch den Autos Platz machen. Vielleicht wird’s aber auch dem Hund zu viel, der dabei ist und wohl oder übel mitmachen muss.

Und einer wurde auf der Autobahn belästigt und schreibt:

Die drehen langsam durch.  Gestern mit 130 auf der Autobahn, linke Spur, zieht ein Kleinwagen ohne Blinker hinter einem LKW mit 90 links rüber, ca 40 m vor uns. Vollbremsung. Und dann fährt er ca 2 km mit 92 weiter. Als wir endlich vorbei konnten grinst uns der *** an und deutet auf die gelbe Weste vor sich auf dem Armaturenbrett. Wir waren so platt daß wir nicht mal das Kennzeichen aufgeschrieben haben.

Es sieht gerade nicht nach Revolution aus, und das ist auch gut so. Wir brauchen keine Revolution. Es gibt da andere Möglichkeiten, die uns unter der Wahrung der bestehenden Gesetze zur Verfügung stehen. Die heutige Demonstration in Berlin ist angemeldet, heißt es. Möge sie gut besucht sein. Allerdings wird man samstags wohl kaum jemanden von der Regierung dort antreffen. Auch die haben Feierabend am Wochenende.

Und –  fast hätten wir’s vergessen: Da wo Q draufsteht, ist nicht immer Q drin. In diesem Fall hat der amerikanische QAnon absolut nichts mit dem zu tun, was hier gerade geschieht, beziehungsweise geplant ist. Wir denken, der weiß das noch nicht mal. Man sagt ja auch nicht: Alle aus der CDU sind … Das wäre unartig. Man sollte da schon differenzieren. Also, Mainstream, das bitte jetzt nicht einer Bewegung überstülpen, nur weil da auch ein paar dabei sein dürften, die dort mitlaufen.

Auch wenn’s im Blätterwald mal wieder rauscht: Der Aufschrei war umsonst. Die Amis haben damit nichts zu tun.

Aber – gerade kam eine Nachricht, die uns freut: Ab Montag wird es wieder spannend in den USA. Und zwar positiv. Es scheint, als würde die Gerechtigkeit siegen und große Fische an der Angel hängen. Ganz ohne Revolution. Sondern mit Geduld, Umsicht und offenbar auch der richtigen Taktik.

Das Beitragsbild zeigt gewaltsame Ausschreitungen in Brüssel bei einer Gelbwesten-Demo.