Geht Richard Grenell wieder zurück in die USA? – Trump sucht angeblich neuen Botschafter für Deutschland

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Man regt sich nicht nur hierzulande über Trumps Nominierung von Richard Grenell als neuen Interims-Direktor des DNI auf, da beginnt der auch schon, die erste Entlassung auszusprechen und neue Leute einzustellen.

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Nicht nur die Presse hält ihn unisono für völlig ungeeignet für diesen Posten –  und dann das?

Joe Maguire, der den Job von dem im August 2019 gefeuerten Dan Coats kommissarisch übernommen hatte, wird wahrscheinlich in einer anderen Position in der Trump-Administration unterkommen. Normalerweise hätte er sowieso nicht länger als bis zum 11. März bleiben können.

Dazu twittert Donald Trump

Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass unser hochangesehener Botschafter in Deutschland
@RichardGrenell
amtierender Direktor des Nationalen Nachrichtendienstes wird. Rick hat unser Land außerordentlich gut vertreten, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Ich möchte Joe Maguire für die wunderbare Arbeit danken, die er geleistet hat, und wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit ihm, vielleicht in einer anderen Funktion innerhalb der Verwaltung!

Maguires frühzeitige Beendigung der Amtszeit ging voraus, dass Trump ihm mangelnde Loyalität vorwarf, nachdem Maguire die Demokraten darüber unterrichtete, dass die Russen versuchen würden, dem Präsidenten bei der Wahl 2020 zu helfen.

Auch Bernie Sanders, der Präsidentschafts-Kandidat der Demokraten mit den größten Chancen auf eine Nominierung, soll eine ähnliche Mitteilung erhalten haben:

„In der Zwischenzeit gab Senator Bernie Sanders (I-Vt.) Am Freitag bekannt, dass er von US-Geheimdienstmitarbeitern über eine russische Einmischung informiert wurde, um ihm zu helfen, die demokratische Vorwahl zu gewinnen.“

Es sollen also mal wieder die Russen sein. Und dann wollen sie beide Gegner unterstützen?

Bernie Sanders, der bekanntermaßen seine Flitterwochen in der UdSSR verbrachte, war nicht erfreut über diese Nachricht, zumal ihm immer wieder unterstellt wird, Amerika in den Sozialismus führen zu wollen.

 Ich lebte in Sowjetrussland, als Bernie Sanders zu Besuch war, und er ist ein kommunistischer Dummkopf

Die Position des kommissarischen Direktors der Nachrichtendienste muss nicht vom Senat bestätigt werden.

Trump kündigte bereits an, dass er demnächst einen neuen „wunderbaren Kandidaten“ benennen würde, einen, der den Posten fest übernimmt. Es gäbe da vier oder fünf, die infrage kämen.

Richard Grenell ist loyal in Bezug auf den Präsidenten und deshalb hätte es für einige natürlich kaum schlimmer kommen können.

Wie konnte Trump nur wieder einen Mann ernennen, der ihn vorbehaltlos unterstützt?

Dass auch andere Präsidenten sich nicht unbedingt solche Mitarbeiter ins Haus geholt haben, die ihnen in den Rücken fallen, scheint bei all dem jahrelangen Trump-Bashing untergegangen zu sein. Für diesen Präsidenten gelten andere Regeln. Man regt sich tatsächlich auf, wenn er nach und nach die identifiziert, die ihn hintergehen und seine Agenda torpedieren. Dan Coats, der letzte Direktor des DNI war so einer, sodass sein Rauswurf nur eine Frage der Zeit war.

Es werden noch weitere Entlassungen folgen, da Grenell bereits an seinem ersten Tag jemanden, nämlich Kashyap Patel, nominiert hat, der „das Haus säubern soll“.

Man moniert, dass Grenell bisher keine geheimdienstlichen Erfahrungen sammeln konnte.

Aber wer weiß, vielleicht ist das ja gar nicht so wichtig, man kann ja „nach Hause“ telefonieren und er ist sicherlich dankbar für den einen oder anderen Tipp.

Möglicherweise ist das sogar ein weiterer Pluspunkt für die Trump-Administration, denn wenn einer neu ist in seinem Job, dann fragt er gerne auch mal den Boss, was er denn machen soll.

So scheint die Wahl Grenells ein gelungener Schachzug zu sein, um ungestört aufräumen zu können.

Inzwischen wurde bekannt, dass der Interims-Direktor evenuell nicht Botschafter in Deutschland bleiben wird, wie es wohl ursprünglich vorgesehen war. Trump soll bereits nach einem Nachfolger für ihn suchen.

Ob Richard Grenell bis zum Ende von Defender 2020 noch in Deutschland bleiben wird, wurde noch nicht bekanntgegeben.

UPDATE:

Nach Fertigstellung des Artikels erschienen Meldungen, dass Grenell doch Botschafter für Deutschland bleiben würde. Trump habe sich nur versprochen. Hier warten wir noch auf eine offizielle Aussage und Korrektur von Trump selbst oder dem Weißen Haus.

Videofassung des Beitrags