1.August: Thorsten Schulte und Anwalt Markus Haintz bei Demo in Berlin verhaftet

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Der erste August 2020 wird als ein denkwürdiger Tag in die Geschichte dieses Landes eingehen. Über eine Million Menschen fuhren nach Berlin, um für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zu demonstrieren.

Das „China-Virus“, wie Donald Trump es nennt, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Maßnahmen werden von vielen Menschen nicht mehr toleriert. Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts werden von Ärzten, Juristen und Statistikern auseinandergenommen, in Relation gesetzt und neu interpretiert. Das alles findet auf der Grundlage der offiziellen und auf der Homepage des RKI einsehbaren Statistiken statt. In den USA passiert ähnliches.

Berlin, 1. August 2020 – die Demo war schon lange angekündigt.

500.000 Teilnehmer erwartete der Veranstalter ‚Querdenken‘.

Die Berliner Polizei sprach von lächerlichen 17.000, die gekommen sein sollen, aber jeder kann sehen, wie viele es wirklich waren. Man kann es ausrechnen, wenn der Zug der Menschen 8km lang ist, wie berichtet wurde. Wie viele Menschen standen allein in einer Reihe?

1. August 2020 – Demonstranten in Berlin

Sie standen dicht gedrängt und die einzigen, die Maske trugen, waren die Polizisten. Aber auch hier waren es nicht alle.

„Ich verurteile sie deshalb nicht“, meinte der Anwalt Markus Haintz, „denn sie werden wohl die gleichen Probleme haben wie wir, wenn wir die Maske tragen.“

Markus Haintz war einer derjenigen, die immer wieder das Mikrophon an sich nahmen und redeten.

Gegen 16:27 Uhr wurde die Veranstaltung von der Polizei vorzeitig für beendet erklärt, mit der Begründung, dass die Menschen sich weder an die Maskenpflicht noch an die Abstandsregeln hielten. Der Veranstalter erhielt eine Anzeige.

Eine Stunde später hatte die Polizei die Bühne geräumt und diejenigen, die nicht freiwillig gehen wollten, weggetragen, aber nicht festgenommen. Obwohl die Demonstration für beendet erklärt war, blieben die Menschen noch.

„Wir sind viele!
„Wir sind mehr!“
„Wir sind frei!“

Wenn viele Tausend Menschen das skandieren, sind das bewegende Momente auch für die Daheimgebliebenen, die das Geschehen lediglich über den Live Stream von Samuel Eckert verfolgen, dessen Schweizer Handy-Video von YouTube nicht gestört wurde. Wie wir hörten, hatten die Deutschen größere Probleme beim Streamen, während es bei Samuel keine einzige Unterbrechung gab.

Jeder konnte so quasi live dabei sein, sogar direkt vorne an der Bühne, auf der am Schluss nur noch die Polizisten zu sehen waren. Wenigstens das hatten sie im Griff, aber gegen die Menschenmenge kamen sie nicht an. Die konnten sie nicht einzeln vom Platz tragen, denn es waren zu viele.

Die Veranstalter meinten, die Polizei hätte ihnen zunächst die Zahl 800.000 und später dann 1,3 Millionen Teilnehmer genannt. Warum sie die Menschenmenge trotzdem offiziell nur auf 17.000 schätzten, bleibt ihr Geheimnis.

Von der Bühne aus konnte man in den Live-Aufnahmen jedenfalls in allen Richtungen kilometerweit Menschen sehen. Friedliche Menschen. Es war wohl die größte und gleichzeitig friedliche Demonstration, die Deutschland bisher erlebt hat.

Es geht um Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit.

Um 17:40 wurde Markus Haintz von der Bühne getragen, sowie die letzten, die dort in einer Sitzblockade verharren und nicht gehen wollten. Sie wurden nicht festgenommen, der Polizei war lediglich wichtig, dass die Bühne frei ist. Er ist der Mann links im Bild, der von der Polizei entfernt wird.

Festgenommen wurde Thorsten Schulz, der vom Reichstag zurückkam, wo er über Nacht eine Mahnwache halten wollte. Niemand weiß, weshalb das geschah. Was wird dem Autor der Bücher Kontrollverlust und Fremdbestimmt vorgeworfen, außer, dass er sie geschrieben hat?

Hier wird Thorsten Schulte abgeführt.

Thorsten Schulte wird von zwei Polizisten abgeführt
Die Polizei hielt inzwischen die Bühne besetzt und die Menge reagierte mit: „Macht die Bühne frei!“ 10 Minuten später, gegen 18:20 verließen sie tatsächlich die Bühne. Sofort kamen die Veranstalter und fragten, ob sie weitermachen könnten. Nein, dürfen sie nicht.

Nun standen sie vor der Bühne, nahmen dann aber alle miteinander gegen 18:30 Uhr ihre Helme ab. Normalerweise ist das ein Zeichen der Solidarität. Aber war es das wirklich? Oder war es einfach nur zu heiß an diesem Tag mit Temperaturen über 30 Grad?

Insgesamt waren die Veranstalter bis jetzt sehr zufrieden mit den Ordnungshütern, sodass Bodo Schiffmann meinte, sie täten da sicherlich etwas, was sie eigentlich gar nicht möchten.

Um 18:45 wurde das Wasser knapp. Die vielen Menschen vor Ort dehydrierten allmählich und benötigten dringend Nachschub. Berliner wurden aufgefordert, Wasser vorbeizubringen.

Immer wieder skandierten die Menschen:

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit raubt!

Die Berliner brachten Wasser, aber man ließ sie nicht durch. Das Wasser kam nicht dort an, wo es benötigt wurde: bei den Menschen.

Die Polizisten, die bisher als fair angesehen wurden, werden nun mit anderen Augen betrachtet. Ja, sie befolgen nur ihre Befehle und es schienen auch andere zu sein, die jetzt das Sagen haben. Man hatte immer noch Verständnis.

Das Wasser wurde nicht durchgelassen aber Krankenwagen werden gerufen. Für alle Fälle. Wieder war es Rechtsanwalt Haintz, der hier von unterlassener Hilfeleistung sprach, falls nichts geschehe.

Man vermutete, dass man die Menschenmenge  auf diese Weise auseinandertreiben möchte. Bei der großen Hitze kann man den Durst nicht lange aushalten, ohne Kreislaufprobleme zu bekommen.

Rechtsanwalt Markus Haintz hielt nun eine flammende Rede. Es war inzwischen 19:40 Uhr.

Er rief seine 165.000 Berufskollegen dazu auf, Widerstand zu leisten und ihren Berufseid ernst zu nehmen.

„Wir werden die Demokratie, den Rechtsstaat, verteidigen und für unsere Freiheit kämpfen. Jeden Tag, so lange es nötig ist.“

Er rief jene Menschen, die sich antifaschistisch nennen, dazu auf, mit ihnen allen zusammen zu stehen und gemeinsam zu demonstrieren, denn sie hätten die gleiche Agenda.

„Wir wollen keinen Faschismus, egal unter welchem Deckmantel er sich verbreitet.“

Es würde eine neue Demo geben, sie würden nicht aufgeben.

Gegen 21 Uhr rief Markus Haintz zu einer Spontanversammlung gegen Polizeigewalt auf.

Markus Haintz kündigt Spontanversammlung gegen Polizeigewalt
 „Ich warte auf den ersten Polizisten in Deutschland, der sagt, ich mache hier nicht mehr mit.“

Er bat um Wasser für die Arbeiter, die die Bühne wieder abbauen und dann würde er die Demonstranten nach Hause schicken. Denn auf ihn würden sie hören, auf sie, die Polizisten nicht. Weil er auf der richtigen Seite stünde, sie nicht.

Gegen 21:20 Uhr wurde Markus Haintz festgenommen.

Markus Haintz kündigt Spontanversammlung gegen Polizeigewalt an und wird kurz danach verhaftet

Während er abgeführt wurde, nannte er laut seine persönlichen Daten und sein Geburtsdatum und wollte wissen, warum man ihn festnehmen würde. Was er getan habe. Sein Vertrauen in die Justiz schien gebrochen, wieso sollte er das sonst tun?

Gestern, am 1. August hatte er Geburtstag. Vor wenigen Stunden war die Welt noch in Ordnung.

Kurze Zeit später wurde Markus Haintz wieder freigesetzt.

Es soll ein Missverständnis gewesen sein. Die Polizei habe einen Teil seiner Rede missverstanden. Sein Anwalt konnte das rasch klären. Ob Thorsten Schulte noch festgehalten wird, war nicht bekannt. Jedenfalls hatte man ihn nach seiner Festnahme nicht mehr gesehen.

Wo immer die Menschen auf die Straße gehen, um gegen eine Regierung zu protestieren, gibt es Verhaftungen.

Menschen, die vorangehen, kennen die Konsequenzen. Sie sind nicht blind. Sie sind mutig und sie werden von einem inneren Motor angetrieben, den nicht viele besitzen. Auch Donald Trump, den wir eingangs nannten, gehört dazu. Deswegen wird auch er bekämpft.

Hoffen wir, dass auch Thorsten Schulte sehr schnell wieder freikommt. Denn beide – und viele andere – haben nichts anderes getan, als ihre Meinung zu sagen und danach zu handeln. Das sollte doch möglich sein, selbst dann, wenn es sich um Kritik an der Regierung handelt. Offiziell leben wir immer noch in einer Demokratie.

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