Ostern 2020

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In diesem Jahr haben wir wunderbares Frühlingswetter. Das erinnert an Goethes „Osterspaziergang“: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …“ Wir hatten nicht viel Eis, aber eine einzige frostige Nacht hat mir vor einigen Tagen meine frisch gekauften Hortensien erfroren. Dann war wieder Sonne pur, trotz niederer Temperaturen.

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Durch Corona, dem aus China importierten Virus, an dem nun auch Boris Johnson erkrankt ist, befinden wir uns inzwischen in einem Ausnahmezustand, der den Notstandsgesetzen, gegen die einige der älteren Leser vielleicht sogar noch demonstrierten, sehr nahekommt. 50.000 junge Menschen, meist Studenten, fuhren damals nach Bonn, setzten sich vor dem Innenministerium auf den Rasen und protestierten. Es hat nichts genutzt. Sie kamen trotzdem.

Heute: Versammlungsverbote verhindern Demonstrationen. Wer sich daran nicht hält, für den kann das sehr teuer werden.

Unsere Wirtschaft wird gerade heruntergefahren, weil es der Regierung nicht genügt, dass man mit Mundschutz arbeiten geht. Nein, man kann oder darf gar nicht mehr. Verschiedene Geschäftszweige sind tot, denn nur noch Geschäfte, die für den täglichen Bedarf sorgen, dürfen weitermachen.

Vor unserem Edeka steht morgens, bis in den Mittag hinein, täglich eine Schlange von Menschen. Jeder mit einem Einkaufswagen, denn ohne kommt man nicht mehr rein, weil der für den Mindestabstand von 1,5m sorgen soll. 30 oder 40 Menschen warten geduldig – schließlich sind wir deutsch! – darauf, dass man sie reinlässt. Das geht erst, wenn einer rausgekommen ist und das dauert.

So viel Zeit habe ich nicht. Ich fahre zu Rewe, da kommt man noch rein, ohne warten zu müssen.

Und das soll alles noch Monate dauern?

Nicht nur Kleinunternehmer und Start ups gehen Pleite, sondern auch Kaufhof hat wieder Probleme. 18.000 Mitarbeiter müssen hier um ihren Arbeitsplatz bangen. Es geht mal wieder bergab.

Die Regierung ist großzügig, bietet Kredite an. Aber wer soll die zurückzahlen? Und wie? Über viele Jahre oder gar Jahrzehnte, heißt es in den Nachrichten, verschulden sich nun die Unternehmen, die unter allen Umständen weitermachen wollen. Der Staat kauft Anteile.

Tatsächlich?

Irgendwie gefällt mir das alles nicht. Ich trage keine Maske, merke – glücklicherweise – nicht einen Hauch von diesem Virus, aber allmählich die Pollen, die herumfliegen und mich jedes Mal um diese Zeit niesen lassen. Nur niesen, mehr nicht.

Bei Rewe war es dann soweit. Dieses Kitzeln in der Nase, ich kenne es seit Jahren, kam urplötzlich und ich dachte nur: Bitte nicht jetzt!

Meine Bitte wurde erhört. Danke! Denn die Panik der Menschen ist groß. Sie ist spürbar und man sieht sieht immer mehr angeblich so aufgeklärte Bürger, die auf dem Parkplatz gleich an ihren Kofferraum gehen, um sich dort die obligatorische Schutzmaske hervorzuholen. Aber nicht genug damit, ziehen sich einige jetzt sogar Latexhandschuhe an, bevor sie überhaupt einen Einkaufswagen anfassen.

Gar nicht gut, meinen einige der Experten, die nun täglich ihren Sermon zur „Corona-Krise“ geben. Die Maske hilft ihnen nicht, sondern nur anderen, wenn sie, die Mundschutzträger, selbst infiziert sind. Und dieser Mundschutz sei zudem ziemlich kontaminiert und man könne sich daran sogar anstecken, wenn man ihn abzieht, und danach mit seinen Händen über das Gesicht fährt.

Man schützt also mit der Maske nicht sich selbst, sondern andere.

Diese Aufklärung ist beim Gros der Bevölkerung aber noch nicht angekommen, sonst würden sie nicht jedes Mal die gleiche Maske tragen. Die guten, die wirklich schützen, die, mit dem Filtersystem, kann man allenfalls noch zu Wucherpreisen kaufen.

Wir haben nun auch welche gekauft, bevor sie noch teurer werden. Eventuell müssen wir die jetzt alle tragen, sonst dürfen wir nicht mehr auf die Straße. Es wäre gut, wenn man mit Maske wieder arbeiten dürfte. Noch weiter bergab muss es nicht gehen.

Die Apotheke nebenan hat bereits reagiert und ihr billiges Desinfektionsmittel in 100ml-Fläschchen abgefüllt, die sie für 6,75 Euro verkauft. Der Klopapier-Lieferant von Rewe reagierte mit Viererpacks für knapp 2 Euro. Leider nur 3-lagig.

„Ist mein erstes Klopapier seit Corona“, sagte ich zu den beiden Männern neben mir, die gleich zugriffen. Die schauten mich ungläubig an. „Da müssen Sie ja einen mächtigen Vorrat gehabt haben“. Klar, Vorrat habe ich immer. Auch das hier hätte ich noch nicht gebraucht, aber wer weiß denn schon, ob es morgen noch welches gibt?

Was machen die Leute mit den vielen Rollen?

„Sie basteln sich Masken, habe ich gehört.“ Man sah, wie die Verkäuferin bei Rossmann bei diesem Gedanken innerlich den Kopf schüttelte. Meinte sie das im Ernst?

Nun, einige gibt es tatsächlich, die haben aber auch wirklich gar keine Angst vor der Krise und verstehen die anderen nicht, denen die Panik in den Augen steht, sobald sie ihr sicheres Auto verlassen haben.

Ich überprüfe kurz, wie weit mein Verständnis geht und befinde, man möge sich doch besser aufklären. Hände nicht nur in einer Corona-Krise waschen, sondern auch sonst immer, wenn man von draußen reinkommt, hilft da schon ungemein. Ich würde mir wünschen, die Angst von vielen wäre nicht so stark, denn sensible Menschen reagieren darauf. Es ist keine gute Energie. Sich informieren hilft hier sicherlich, etwas klarer zu sehen und weniger emotional zu reagieren. Wer sich geschützt fühlt, hat keine Angst.

Viele machen sich jetzt einen schönen Lenz.

Und das ist gut so. Sie gehen raus, gehen wieder spazieren, die Parkplätze am Wald ist übervoll mit Autos von Menschen, die diese Zeit nutzen, um das Beste draus zu machen. Home Office bedeutet oft, dass man sich seine Zeit einteilen kann. Also geht man bei diesem wunderschönen Wetter raus, bewegt sich, erfreut sich an diesen herrlichen Frühlingstagen und stärkt sein Immunsystem. Einige meinen sogar, sie würden jetzt mehr arbeiten als im Büro, denn zu Hause wären sie ungestörter.

Überforderte Eltern, die mit ihren Kindern Homeschooling machen müssen, können das sicherlich nicht bestätigen.

Aber vielleicht ist diese Krise ja auch eine Chance, endlich einmal über ein Homeschooling-Programm nachzudenken, etwas, was sehr viele, wenn nicht gar die meisten, westlichen Länder anbieten. Natürlich muss man das vorbereiten. Das, was jetzt passiert, ist eher dilettantisch. Das geht besser. Kinder, die über Homeschooling in ihrem eigenen Tempo lernen können, sind oft schneller mit der Schule fertig. Für einige ist es tatsächlich eine Chance. Ergreifen wir sie! Wir hinken hier weit hinterher.

Auch unsere Uni denkt gerade um und Seminare und Tutorien werden im Hauruck-Verfahren digitalisiert. Das Semester fängt an und der Student darf von nun an zu Hause bleiben oder kann von dort aus lernen. Persönlich finde ich es gut, dass es diese Möglichkeit gibt, denn mit Bachelor und Master wurde die Universität stark verschult und wer zu oft fehlt – zwei Mal genügt da oft schon – der bekommt den Schein nicht.

2020 bietet somit die Chance, viele Dinge zu überdenken und neu zu ordnen.

Was Ostern betrifft, so beginnt es mit dem Karfreitag, einem Tag, der nicht überall ein Feiertag ist. Warum eigentlich?

Er lädt ein, darüber nachzudenken, wie weit wir in 2000 Jahren gekommen sind. Sind wir immer noch die grausamen Menschen von damals?

Pilatus, der Feigling, wäscht wahrscheinlich heute noch seine Hände in Unschuld, weil er das Volk entscheiden ließ, das dafür stimmte, Jesus ans Kreuz zu nageln.

Und wir, haben wir nicht auch die Wahl und wählen jedes Mal „die Falschen“? So jedenfalls kommt es vielen dann doch vor, wenn die Wahlversprechen – mal wieder – nicht eingehalten werden.

Unterstützen die Regierungen unserer Länder eine Meinungsvielfalt oder versuchen sie gar eine Vereinheitlichung?

Woher kommt plötzlich dieses Schubladendenken, bei der jede Meinung in entweder links oder rechts eingeordnet wird? Was bezweckt man damit?

Globalismus ist links („gut“) und Souveränität der Einzelstaaten ist rechts („schlecht“).  Kein Grenzschutz („links“), Grenzen schützen („rechts“). Merken wir eigentlich noch, wie uns hier ein vorgekautes Denken übergestülpt wird?

Für mich persönlich sind das lediglich Meinungen.

Wird es nicht endlich Zeit, dass wir selbst „souverän“ werden, jeder einzelne von uns? Wird es nicht Zeit, dass wir unseren eigenen Weg finden und den unbeirrt gehen, egal, was andere sagen? Denn es ist unser Weg, das sind wir! Stehen wir zu uns!

Ich sage manchmal: „Das ganze Leben ist Meditation“. Ich meine damit nicht, dass man sich stundenlang hinsetzen sollte, um nach innen zu schauen. Sondern ich meine damit, dass man alles, was passiert, reflektiert und herausfindet, wie man selbst dazu steht. Besonders, wenn es einen sowieso betrifft, ist es wichtig, es nicht einfach unter den Teppich zu kehren, sondern das Problem zu lösen, sonst kommt es immer wieder.

Was kann ich tun, um diese Welt ein wenig besser zu machen?

Das ist eine wichtige Frage, die im Leben eines Jeden irgendwann vielleicht auftaucht. Dann, wenn er bereit ist.

Die Antwort könnte einfacher nicht sein: Ich kann mich selbst verbessern. Ich kann an mir selbst arbeiten. Das ist wesentlich effektiver, als wenn ich versuche, einen anderen Menschen zu ändern. Ich kann versuchen, die beste Version meines Selbst zu werden und damit dieser Welt das Wertvollste übergeben, was ich besitze: Mich selbst in meiner reinsten Form.

Es werden keine großen Taten verlangt.

Allein der, welcher in seiner kleinen Familie für Harmonie und ein gutes Miteinander sorgt, hat schon mehr für den Frieden dieser Welt getan, als er ahnt. Wir brauchen diese kleinen, heilen Parzellen, damit daraus eines Tages eine große Gemeinschaft wachsen kann, die friedvoll miteinander lebt.

Wir leben in einer Ära des Umbruchs. Es wird Zeit, dass die Kriege aufhören. Die inneren und die äußeren. Nehmen wir die Herausforderung an und beginnen damit, die Brandherde in uns selbst zu löschen, die immer wieder zu Konflikten mit anderen führen. Das ist ein guter Weg. Es ist der Beginn, der in eine Zeit führen wird, in der wir alle so sein können, wie wir wirklich sind: Menschen, die füreinander da sind und die sich gegenseitig unterstützten und respektieren.

Packen wir’s an! Das ist das, was wir selbst tun können. Und das ist eine ganze Menge.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und besinnliches Osterfest!

Chris Homann

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