Wie ehrlich küsst Juncker?

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Von unserem Gastautor Maximilian Bender

Trump lässt nicht mit sich spielen, das mussten die G7-Teilnehmer am 9. Juni am eigenen Leib erfahren. Nach dem Meeting gab Trump eine Pressekonferenz – bevor er nach Singapur abreiste, verließ er den Gipfel vorzeitig, um dort Kim Jong-un zu treffen – und da war der Tonfall noch recht optimistisch. Im Flugzeug hörte er dann Trudeau, der ebenfalls eine Pressekonferenz gab, der sich offenbar ohne Trump im Rücken frei fühlte, um diesen nun nicht sehr freundlich zu attackieren.

Natürlich fühlte Trump sich hintergangen und zog daraufhin seine Genehmigung für das gemeinsame Papier zurück. Das war ein Flop für die G7-Gesellschaft, die nun uneinig auseinander ging.


„PM Justin Trudeau aus Kanada handelte so freundlich und sanft während unseres @G7 Treffens, nur um eine Pressekonferenz zu geben, nachdem ich sagte, dass „US Tarife irgendwie beleidigend waren“ und er „nicht herumgeschubst werden wird“. Sehr unehrlich & schwach. Unsere Tarife sind in Reaktion auf seine von 270% [Zoll] auf [USA] Milchprodukte!“

Ein großes Anliegen von Trump waren damals die Zölle. Während die EU zum Beispiel für ein amerikanisches Auto 10% Einfuhrzoll verlangt, muss sie umgekehrt bei einer Lieferung in die USA nur 2,5% zahlen. Sogar der deutsche Focus ist der Meinung, dass die EU hier nachgeben sollte.

Die Damen und Herren Politiker und Journalisten einigten sich aber sehr schnell darauf, anstatt von einer fairer Anpassung lieber von „Strafzöllen“ zu sprechen, als Trump eine Anpassung der Zölle verlangte. Das impliziert natürlich –  außer einer Bestrafung – eine ungerechte Behandlung. Dabei scheint es genau umgekehrt zu sein. Aufgrund schlechter Verhandlungen durch vorangegangene Präsidenten stehen die USA in vielen Handelsfragen tatsächlich nicht gut da, sind sehr benachteiligt.

Nun hat die USA einen Präsidenten, dem die Wirtschaft sehr am Herzen liegt, denn er hat genau das studiert. Er ist tatsächlich der einzige Wirtschaftswissenschaftler im Team und trat nun bei der G7 an gegen Amtskollegen, die man als kompletten Laien bezeichnen könnte, die da sind:

  • Kanada – Justin Trudeau (BA Literatur und Erziehung)
  • Deutschland – Angela Merkel (Promotion in Physik)
  • Großbritannien – Theresa May (BA Geographie)
  • Frankreich – Emanuel Macron (Abschluss an der Verwaltungshochschule ENA, Straßburg)
  • Japan – Shinzō Abe (studierte Politikwissenschaften an juristischer Fakultät)
  • Italien – Giuseppe Conte (Jura)

Wir müssen uns nicht wundern, dass Literaturwissenschaftler, Physiker, Geographen, Juristen und Verwaltungsangestellte Weltwirtschaft nicht verstehen. Aber sie sollten wenigstens logisch denken können. Wer ist denn der, der unfair handelt, wenn er höhere Gebühren für ein und dieselbe Leistung verlangt?

Dass Trump so etwas ins Auge fällt, ist klar und dass er das schleunigst ändern möchte, auch. Wer Donald Trump in diesen zwei Jahren, die er nun politisch tätig ist – angefangen mit seinem Wahlkampf – einigermaßen kennen gelernt hat, weiß, dass dieser Mann so leicht nicht aufgibt.

Nachdem das G7-Treffen nicht den Ausgang gefunden hat, wie er es sich wünschte, ludt er kurzerhand den Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Paul Juncker, ein und der kam.

Obwohl Jurist hat Juncker erstaunliches Verständnis für Trumps wirtschaftliche Gleichheitsbestrebungen. Eventuell liegt das daran, dass er nie als solcher gearbeitet hat? Bei einer abschließenden Rede im Rosengarten des Weißen Hauses konnte man sogar hören, dass ihm selbst besonders die Zölle sehr am Herzen gelegen haben.

Beide legten relativ kurz – also kein langer Lesestoff 😉 – die Ergebnisse des Treffens dar, und die können sich sehen lassen:

Ergebnis der Verhandlungen der EU mit den USA, Pressekonferenz Juncker-Trump auf deutsch

„Großes Treffen zum Thema Handel heute mit @JunckerEU und Vertretern der Europäischen Union. Wir haben uns sehr gut verstanden und glauben alle an keine Zölle, keine Barrieren und keine Subventionen. Die Arbeit an Dokumenten hat bereits begonnen und der Prozess schreitet zügig voran. Die Nationen der Europäischen Union werden gegenüber den USA offen sein und gleichzeitig von allem profitieren, was wir für sie tun. Es herrschte große Wärme und Gefühl im Raum – ein Durchbruch, den niemand für möglich hielt!“

Wir hoffen sehr, dass die Presse sich zurückhält und jetzt nicht anfängt, Trump zu bezichtigen, auf eine sogenannte „gemeine Kusstaktik“ von Juncker hereingefallen zu sein. 😀 Wir wissen ja alle, wie emotional dieser Präsident sein kann. Der hat Gefühl, anders als seine Amtsvorgänger, die – bis auf Obama – beinharte Männer waren. Was nicht unbedingt ein Vorteil ist, denn auch wir Männer haben Gefühle und es schadet nicht, wenn Ratio und Sensus zusammen arbeiten.

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass beide Präsidenten sich auf einen neuen Beginn einigen konnten und die USA und Europa wieder ein Stück näher gerückt sind. Diese Beziehung wird jetzt nach und nach auf völlig neue Pfeiler gestützt, kein Wunder, wenn da manche lieber am Alten und Bekannten festhalten wollen. Manchmal ist es aber besser, wenn man die Vergangenheit hinter sich lässt und sich der Zukunft stellt.

Das Treffen hatte einen rein wirtschaftlichen Hintergrund. Hier geht es um die Vereinfachung von Handelsgeschäften, um neue Beziehungen in dieser Richtung und auch um Fairness. Nicht um mehr.

„Offensichtlich mögen sich die Europäische Union, vertreten durch @JunckerEU, und die Vereinigten Staaten, vertreten durch mich!“

Das finde ich gut. Und um die anfängliche Frage zu klären: Juncker schien zumindest in diesem Moment zu meinen, was er sagt. Glaube ich zumindest …