Zur Auslieferung von Julian Assange: „Wer die Wahrheit spricht …“

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„Ein Mann, der die Wahrheit spricht, braucht ein schnelles Pferd“, soll Konfuzius einst gesagt haben. Ich möchte das Zitat gerne ein wenig abändern und sagen: „Ein Mensch, der die Wahrheit spricht, braucht einen guten Anwalt.“

 

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In einer immer noch von Männern dominierten Welt musste es auch damals schon ein Mann sein, obwohl es zu allen Zeiten auch mutige Frauen gegeben hat, die ebenfalls ihr Leben riskierten, weil sie offen die politischen Zustände ihres Landes anprangerten.

Christine Anderson ist so eine und klarer könnte sie nicht ausdrücken, dass sie weiß, dass man auch in der heutigen Zeit Probleme bekommen kann, wenn die eigene Meinung vom Narrativ der Herrschenden abweicht.

Sie würde bis zum Letzten kämpfen, und wenn es das Letzte wäre, was sie täte, „dann soll es wohl so sein“. Nicht für eine Million, nicht für 100 Millionen würde sie einknicken. Sie hätte kein Preisschild, auf dem man ihren Preis ablesen könnte, denn sie sei nicht käuflich.

So sprechen wahre Kämpfer für den Frieden. So sprachen sie zu allen Zeiten.

Christine Anderson:

Wie Heraklit, ein griechischer Philosoph aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, einmal sagte:

„Die Wahrheit entzieht sich dem Erkennen oft, weil sie völlig unglaubwürdig ist.“

Nur weil Sie sich nicht vorstellen können, dass Ihre Regierung Ihnen gegenüber böse Absichten hat, heißt das nicht, dass es nicht wahr ist. Und andererseits ist es mir lieber, dass ich mich irre, als dass es mir leid tut. Aber es liegt an Ihnen. Sie müssen entscheiden, was Sie tun werden.

Denken Sie daran, dass Sie die Entscheidung, die Sie treffen, nicht nur für sich selbst treffen werden. Diese Entscheidung wird auch für Ihre Kinder und Kindeskinder getroffen werden. Ihre heutige Entscheidung wird die Gesellschaft prägen, in der Ihre Kinder leben werden. Ihre heutige Entscheidung wird vorgeben, ob Ihre Kinder in einer freien und demokratischen Gesellschaft leben werden oder ob sie einem Überwachungs- und Polizeistaat ausgeliefert sein werden.

Ich bin entschlossen, meinen Kindern eine freie und demokratische Gesellschaft zu hinterlassen. Und dafür werde ich mit allen Mitteln kämpfen. Und sollte es das Letzte sein, was ich auf diesem Planeten tue, dann soll es so sein.

Also noch einmal: Liebe Regierung, machen Sie weiter. Zeigen Sie uns, was Sie drauf haben. Ich habe keine Angst vor Ihnen. Sie werden es nicht schaffen, mich zum Schweigen zu bringen. Es wird Ihnen nicht gelingen, mich zum Gehorsam zu zwingen. Oh, und noch etwas: Versuchen Sie, mich zu bestechen … wirklich? Auch das wird nicht funktionieren. Machen Sie also weiter. Bieten Sie mir eine Million Dollar. Sagen wir, hundert Millionen Dollar. Aber wissen Sie was? Die Zukunft meiner Kinder in einer freien und demokratischen Gesellschaft können Sie unmöglich mit einem Preisschild versehen.

Was meinen Standpunkt zu diesem Thema angeht, möchte ich es mit den Worten von Margaret Thatcher ausdrücken: „Diese Dame lässt sich nicht umstimmen.“ Darauf können Sie wetten. Ich danke Ihnen.



Nicht jeder ist dazu geboren, an vorderster Front zu stehen und manche mussten schon den Schierlingsbecher trinken, so wie Sokrates.

Als er immer unbequemer wurde, hat man ihm einfach unterstellt, dass er die Jugend verführen würde. Es war sein Todesurteil.

Julian Assange ist ein bekanntes Beispiel aus unserer Zeit.

Ein Journalist, der über seine Seite „WikiLeaks“ die Bevölkerung über Dinge informierte, die eigentlich im Verborgenen bleiben sollten. Als er 2010 eine Soldatin zeigte (Link zu weiteren Fotos), die einen nackten Gefangenen mit einem Hundehalsband um den Hals und der Leine in ihrer Hand demütigte, war das wohl der Punkt, wo die Obama-Regierung entschloss, ihn anzuklagen.

IRAK – Lynndie England foltert einen Gefangenen und zwingt ihn an einer Leine, sich wie ein Hund zu bewegen und zu bellen/Public Domain Wikipedia

Dass Assange, der 2010 und 2011 über eine halbe Million geheimer Fotos und Dokumente veröffentlichte, das überhaupt tun konnte, war Chelsea Manning zu verdanken, die als Geheimdienstanalystin der Armee Gelegenheit hatte, diese Dokumente über ein gehacktes Passwort herunterzuladen.

Obama hatte nicht vor, Assange wegen seiner journalistischen Berichterstattung anklagen, nein, da mussten andere Gründe her und leider gibt es immer wieder Menschen, die, im Gegensatz zu Frau Anderson, käuflich sind und die da mitmachen. So kam es, dass er 2010 von einigen Schwedenmädels beschuldigt wurde, sie vergewaltigt zu haben. Er bestritt das und die Damen verwickelten sich auch ziemlich schnell in Widersprüche. Aber erst 2019 wurde die Anzeige fallengelassen, als man Assange aus der Londoner Botschaft von Equador holte, wo er seit 2012 Asyl gefunden hatte. ↓

Julian Assange in London verhaftet

Assange wird nicht in erster Linie vorgeworfen, dass er dieses Material veröffentlichte, sondern, dass er angeblich Chelsea Manning geholfen haben soll, das Passwort zu knacken. Das wäre dann Beihilfe zur Spionage und wird entsprechend hart bestraft. Er meinte dazu, dass selbst Kinder das gekonnt hätten.↓

Julian Assange: Seine Anklage wurde entsiegelt. Hier der deutsche Text.

Julian Assange hatte nicht nur Obama zum Feind, sondern auch Hillary Clinton.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 veröffentlichte er brisante Mails von ihr, durch die sie eventuell um den Sieg gebracht wurde. Diese WikiLeaks-Publikationen haben wahrscheinlich wesentlich dazu beigetragen, dass Clinton nicht gewählt wurde. Nachdem Assange ankündigte, es werde vor der Wahl noch eine absolute Sensation geben, der man entnehmen konnte, dass dies Clintons sicheres Aus bedeuten würde, hörte man nichts mehr von ihm. Man hatte ihm die Möglichkeit genommen, von der Botschaft aus weiter in die amerikanischen Wahlen einzugreifen.

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Für Donald Trump war Julian Assange ein Glücksbringer.

Vielleicht hätte er auch ohne ihn gewonnen, aber die Veröffentlichungen zu Clinton waren das i-Tüpfelchen, das seinen Sieg immer wahrscheinlicher werden ließ. Auf vielen seiner Rallyes sagte er: I love WikiLeaks. Er würde WikiLeaks lieben.

Trumps Anwalt: Julian Assange ist unschuldig. Er sollte frei sein!

Julian Assange, James O’Keefe von Project Veritas und einige wenige andere mutige Journalisten sind die einzige „4. Macht im Staat“, die Amerika noch hat.

Nahezu weltweit haben die Medien ihre Position als Wächter über die Regierung bereits verlassen und überhaupt scheint die Trennung der Gewalten nicht mehr zu existieren, da sie alle in die gleiche Richtung marschieren und niemand den anderen wirklich noch kritisiert.

So etwas ist in einem demokratischen Staat ungewöhnlich, deshalb muss man sich dort, wo man das beobachtet, Gedanken darüber machen, in welcher Staatsform man sich inzwischen tatsächlich befindet und wie man weitere Eskalationen verhindert.

Berichterstattung sollte niemals anders sein als wahrhaftig und man sollte niemals deshalb die Flucht ergreifen müssen, egal ob mit dem Pferd, dem „Käfer“ oder der „Ente„.

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