Epstein – Prinz Andrew von allen öffentlichen Aufgaben entbunden – deutsche Übersetzung

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Was nicht zu vermeiden war, ist nun eingetreten: Ob nur mit dem Einverständnis der Queen oder gar unter Druck –  jedenfalls trat Prinz Andrew gestern von allen seinen öffentlichen Aufgaben zurück. Nachdem immer klarer wurde, dass die Presse ihn aufgrund seiner Freundschaft mit Jeffrey Epstein nicht mehr verschonte gab er vor einigen Tagen, offenbar in einem verzweifelten Versuch, sich reinzuwaschen, der BBC ein Interview. Entgegen der Empfehlung seines persönlichen Beraters hat er hier darauf verzichtet, die Fragen, wie üblich, vorher zu sehen. Er sprang also bewusst ins kalte Wasser, wollte wohl zeigen, wie ehrlich er antworten kann – und hat sich dabei eventuell das Genick gebrochen.

Der Fall Epstein fällt allmählich auf die zurück, von denen anzunehmen ist, sie könnten darin verwickelt sein.

Prinz Andrew gehört dazu. Er ist, so wie es aussieht, allerdings nur einer von vielen. Sie kommen aus der Wirtschaft, der Politik und der Unterhaltungsindustrie, heißt es. Jeffrey Epstein hatte sie alle in der Hand, sagt man, er habe sie gefilmt und sie erpresst. Das Material soll er dem Geheimdienst zugespielt haben.

Seine königliche Hoheit kennt den verurteilten Sexualstraftäter seit 1999, habe ihn vielleicht zwei oder drei Mal im Jahr gesehen und keine Ahnung von dessen Pädophilenring gehabt. Da muss er wohl aus allen Wolken gefallen sein, denn in all den Jahren, die er Epstein kannte, sei ihm nie etwas Ungewöhnliches an ihm aufgefallen, in keinem seiner Etablissements.

Auch die damals 17-jährige Virginia Roberts war ihm kein Begriff, obwohl das Foto der beiden weite Verbreitung im Netz gefunden hat. Die kennt er nicht und das kann auch gar nicht sein, denn er würde niemals den Arm um jemanden legen, so wie es auf dem Foto zu sehen ist. Ein Royal hält eben Abstand.

Prinz Andrew und die minderjährige Virginia Roberts Giuffre
Prinz Andrew und die minderjährige Virginia Roberts Giuffre

Er findet die Taten von Epstein abscheulich und bedauert all die Mädchen, die nun keine Gerechtigkeit erfahren und für sich nicht den Missbrauch abschließen können, da das durch Epsteins Tod nun nicht mehr möglich sei.

Virginia, die ausgesagt hat, dass sie nicht nur ein Mal sondern mehrfach die minderjährige Bettgespielin des Prinzen gewesen sei, würde nicht die Wahrheit sagen. Daran würde man sich doch als Mann erinnern. Das sei doch ein schönes Erlebnis. Er sei auch niemals mit ihr Tanzen gewesen und geschwitzt habe er mit Sicherheit nicht.

Hier überlegt er noch einmal, es muss ja stimmen und wiederholt dann: Nein, er kann zu diesem Zeitpunkt gar nicht geschwitzt haben, denn er hatte eine Verletzung aus dem Falkland-Krieg, die ihn daran hinderte. Eine Schussverletzung. Der Adrenalinausschuss damals habe ihn seither am Schwitzen gehindert. Dieses Problem habe er erst Jahre später beheben können.

Außerdem habe er an diesem Tag seine Tochter zu einer Pizzeria gefahren, wo es eine Feier gab. Das sei ihm deshalb so sehr im Gedächtnis haften geblieben, weil es ganz und gar nicht seine Art war, dies zu tun. Nein, ganz und gar nicht.

Wir verstehen das, denn das wäre dann ja ungefähr so, als wären wir bei den Royals zum Essen eingeladen. Das würden wir sicherlich auch nicht vergessen. Bestimmt nicht!

Prinz Andrew und Jeffrey Epstein
Prinz Andrew und Jeffrey Epstein

Ob ihm denn nicht die vielen Mädchen in Epsteins Appartement aufgefallen wären? Nein, er würde sich nicht um Bedienstete kümmern.

2010 habe er Epstein noch einmal in New York getroffen. Warum?

Er habe mit ihm Schluss machen wollen, nicht telefonisch, sondern persönlich. Alles andere wäre feige gewesen und nicht ehrenhaft. Ja, er habe zu diesem Zeitpunkt einige Nächte bei ihm geschlafen. Aus Bequemlichkeit. Er war zu diesem Zeitpunkt auch bei dem Dinner dabei, das Epstein anlässlich seiner Haftentlassung gab.

Sehen Sie das vollständige Interview:

Nach der Veröffentlichung des Interviews wurden Stimmen laut, die meinten, dass Prinz Andrew nicht unbedingt der Wahrheit treu geblieben sei.

Er habe sich mit diesem Interview keinen Gefallen getan und inzwischen fragen einige, ob man so etwas wie die Monarchie überhaupt noch benötigt. So ist es nicht verwunderlich, dass der Prinz allmählich aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit entschwinden soll.

Ob ihm das hilft, darf bezweifelt werden. Er könnte ein wichtiger Zeuge im Fall Epstein sein. Jetzt, wo Epstein in seiner Zelle angeblich Selbstmord begangen hat – was insbesondere die bezweifeln, die ihn gut kannten – gibt es einen weiteren Zeugen, der vielleicht nur seinem Gedächtnis etwas auf die Sprünge helfen muss. Eventuell fällt ihm dann ja doch noch was ein. Die Medien jedenfalls melden Misstrauen an. Und das will was heißen.

Hier ist das offizielle Schreiben von Prinz Andrew, in dem er seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit erklärt:

Wir haben es hier auf Deutsch übersetzt:

Erklärung Seiner Königlichen Hoheit dem Herzog von York KG

In den letzten Tagen ist mir klar geworden, dass die Umstände im Zusammenhang mit meiner früheren Verbindung mit Jeffrey Epstein eine große Störung der Arbeit meiner Familie und der wertvollen Arbeit in den vielen Organisationen und Wohltätigkeitsorganisationen, die ich mit Stolz unterstütze, darstellen.

Deshalb habe ich Ihre Majestät gefragt, ob ich für die absehbare Zukunft von öffentlichen Aufgaben zurücktreten darf, und sie hat ihre Erlaubnis gegeben.

Ich bedauere weiterhin unmissverständlich meine unvoreingenommene Verbindung zu Jeffrey Epstein. Sein Selbstmord hat viele unbeantwortete Fragen hinterlassen, insbesondere für seine Opfer, und ich habe tiefes Mitgefühl mit allen Betroffenen, die einen Abschluss wünschen. Ich kann nur hoffen, dass sie mit der Zeit in der Lage sein werden, ihr Leben wieder aufzubauen. Selbstverständlich bin ich bereit, falls erforderlich, jeder zuständigen Strafverfolgungsbehörde bei ihren Ermittlungen zu helfen.

Mittwoch, 20. November 2019

 

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